Risiko ist unausweichlich – aber es gibt eine Erfolgsstrategie: Lektionen von René Hofer von Holvi.

IDnow hat sich mit René Hofer von Holvi, einem führenden digitalen Bankdienstleister für Freiberufler und kleine Unternehmen, zusammengesetzt, um über Betrug, Compliance und die Strategien zu sprechen, die erforderlich sind, um in einer sich ständig verändernden Finanzlandschaft die Nase vorn zu behalten.

Als begeisterter Segler weiß Hofer: Risiken zu navigieren bedeutet, die Bedingungen zu lesen, den Kurs anzupassen und auf unvorhersehbare Herausforderungen vorbereitet zu sein. 

„Kein Geschäft kommt ohne Risiko aus – es gehört einfach dazu“, sagt René Hofer, Chief Risk and Compliance Officer bei Holvi. Und in der Finanzbranche ist es ein Spiel mit hohen Einsätzen und sich ständig ändernden Regeln – bei dem die Verluste enorm sein können. Tatsächlich gingen im Jahr 2024 weltweit 1,03 Billionen US-Dollar durch Betrug verloren, und jedes Jahr sind zwischen 715 Milliarden und 1,87 Billionen Euro des globalen BIP durch Geldwäsche belastet – eine Summe, die mit der Wirtschaft ganzer Länder wie Italien oder der Schweiz vergleichbar ist. 

Das Risiko ist nicht nur eine Herausforderung, sondern eine existenzielle Bedrohung: Es kann das Vertrauen der Kunden untergraben, Unternehmen ruinieren und Kriminalität weiter befeuern. Jeder gewaschene Euro ist nicht nur ein Verlust in der Bilanz, sondern hat auch reale menschliche Konsequenzen – er finanziert Menschenhandel, Terrorismus, Drogenhandel und andere illegale Aktivitäten, die ganze Gemeinschaften zerstören. 

Zudem sind die Gegner unermüdlich – hochgradig innovativ, meisterhaft im psychologischen Betrug und ständig auf der Suche nach neuen Angriffsmethoden, selbst wenn die Vorschriften strenger werden. „Heutzutage tauchen neue Betrugsmuster schneller auf und verschwinden wieder, als statische Prozesse und Systeme sich weiterentwickeln können“, erklärt Hofer. Traditionelle Betrugsprävention hält diesem Tempo nicht stand. Besonders mit dem Aufstieg von KI-gesteuertem Betrug und synthetischen Identitäten gleicht es einem Rennen gegen eine Flotte erfahrener Segler bei ständig wechselnden Winden. Die richtige Strategie besteht nicht nur darin, auf plötzliche Windböen zu reagieren, sondern die Bedingungen frühzeitig zu erkennen, das Segel rechtzeitig zu setzen und sich einen Vorsprung zu sichern. Für Hofer gibt es nur eine Lösung: „Die Erkennungs- und Analysemöglichkeiten müssen dieselbe Technologie nutzen“, um den Betrügern nicht nur standzuhalten, sondern sie letztendlich zu überholen. 

Für Hofer liegt der Schlüssel zum Erfolg nicht darin, Risiken zu eliminieren – sondern sie zu managen. „Man muss das Gesamtbild sehen, nicht nur einzelne Bedrohungen“, erklärt er. Manche Risiken sind es wert, eingegangen zu werden, andere müssen minimiert werden. Genau wie in einer Regatta, bei der ein Segler manchmal eine längere Route nimmt, um besseren Wind zu erwischen, oder taktische Manöver einsetzt, um sich einen Vorteil zu verschaffen, bedeutet das Navigieren von Risiken in der Finanzwelt, zu wissen, wann man Kurs hält und wann man ihn ändert. Es gibt immer einen Kompromiss: Sicherheit versus Kundenerlebnis, Compliance versus Agilität. „Die Balance zwischen Sicherheit und einer reibungslosen Kundenerfahrung ist eine ständige Herausforderung, besonders in einer regulierten Branche“, räumt Hofer ein.

Ein gewisses Maß an Reibung ist unvermeidbar – entscheidend ist, wie wir damit umgehen.

René Hofer, Chief Risk and Compliance Officer at Holvi

Sie muss nachvollziehbar und sinnvoll für den Kunden sein. Tatsächlich kann Reibung manchmal sogar positiv sein, weil sie den Kunden zeigt, dass der Prozess gründlich ist. Studien belegen, dass gezielte Reibung sogar die Kundenzufriedenheit steigern kann, wenn sie hilft, Entscheidungen zu ermöglichen. Am Ende geht Sicherheit immer vor – das ist unumstößlich“, so Hofer. 

Diese Herausforderung wird durch ein fragmentiertes regulatorisches Umfeld noch komplizierter. Selbst innerhalb der Europäischen Union gibt es erhebliche Unterschiede: Während Länder wie Deutschland strenge Regulierungsmaßnahmen gemäß der DSGVO und den AML-Richtlinien durchsetzen, interpretieren andere Staaten wie Irland diese Vorschriften flexibler. „Ehrlich gesagt ist das frustrierend“, gibt Hofer zu. „Identitätsprüfung sollte standardisiert sein – ist sie aber nicht. Deshalb setzen wir auf flexible Lösungen, die sich an lokale Anforderungen anpassen, ohne den Kunden unnötige Komplexität aufzubürden.“ 

Mit der sich ständig wandelnden Gesetzgebung Schritt zu halten, ist wie das Segeln in unbekannten Gewässern – man weiß nie genau, wann sich der Wind dreht, aber man muss jederzeit bereit sein, die Segel zu setzen. Nur wer Veränderungen frühzeitig erkennt und sich darauf vorbereitet, bleibt in Bewegung und wird nicht abgetrieben. „Es geht darum, informiert zu bleiben und flexibel zu reagieren“, sagt Hofer. „Man kann nicht jede regulatorische Änderung vorhersehen, aber man kann ein System aufbauen, das sich anpasst. Das bedeutet, Trends vorauszusehen, flexible Prozesse zu gestalten und Compliance als festen Bestandteil unternehmerischer Entscheidungen zu etablieren.“ 

Unternehmen müssen Technologie und Fachwissen gezielt nutzen – und dabei Softwareanbieter als entscheidende Partner betrachten, um in engem Austausch mit Regulierungsbehörden rechtzeitig Produktupdates zu implementieren. „Wir verlassen uns auf Technologie, starke Datenquellen und – am wichtigsten – auf Menschen, die wissen, wie sie diese Informationen interpretieren und in die Praxis umsetzen“, sagt Hofer. „Regulierungen werden sich immer ändern. Deshalb ist es die beste Strategie, Flexibilität fest in unsere Abläufe zu integrieren, anstatt Compliance als etwas zu behandeln, das wir später ‚nachholen‘ müssen.“ 

Trotz all dieser Herausforderungen bleibt Hofer optimistisch. Die Finanzbranche, Regulierungsbehörden und Unternehmen haben letztlich dasselbe Ziel: ein sicheres und vertrauenswürdiges Finanzsystem. Der Schlüssel dazu ist Zusammenarbeit. „Wer von anderen Anpassungsfähigkeit verlangt, sollte selbst flexibel sein“, rät Hofer. „Frühzeitig in den Dialog treten, Erkenntnisse teilen und Transparenz als Grundlage für Beziehungen nutzen.“ 

Die Herausforderungen rund um Risiko und Compliance werden nie aufhören, und die Bedingungen werden sich immer wieder ändern. Doch wie Hofer es formuliert: Die wahre Frage ist nicht, ob Unternehmen raue See vermeiden können – sondern ob sie den Kurs auf Erfolg setzen oder nur darum kämpfen, über Wasser zu bleiben. 

Von

Nikita Rybová, IDnow

Nikita Rybová
Customer Marketing Manager at IDnow
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