EUDI Wallet Friction Vs Conversion

Neue IDnow-Studie zeigt: Fast die Hälfte der deutschen Verbraucher hat eine Transaktion abgebrochen, weil die Identitätsprüfung zu aufwendig war. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen — und welche Lösung zeichnet sich ab?

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • 48 % der europäischen Verbraucher haben eine Transaktion abgebrochen, weil die Identitätsprüfung zu aufwendig war — bei der Generation Z steigt dieser Wert auf 56 %.
  • 42 % würden mehr Aufwand in Kauf nehmen, wenn dies mit höherer Sicherheit einhergeht. Verbraucher wollen eine Prüfung, die verhältnismäßig wirkt, nicht willkürlich.
  • Das „einmal prüfen, überall vorzeigen”-Prinzip des EUDI Wallets adressiert direkt die strukturellen Ursachen dieser Abbrüche.

Fast die Hälfte (48 %) der deutschen Verbraucher hat eine Transaktion abgebrochen, weil die Identitätsprüfung zu aufwendig oder zu zeitintensiv war. Nicht weil sie es sich anders überlegt haben. Nicht weil sie ein besseres Angebot gefunden haben, sondern schlicht, weil der Nachweis der eigenen Identität zu mühsam war.

Diese Zahl stammt aus unserer aktuellen EUDI-Wallet-Verbraucherstudie, für die 2.000 Verbraucher in Frankreich und Deutschland befragt wurden. Für Banken, Fintechs, Versicherungen und alle regulierten Unternehmen, die darauf angewiesen sind, Interessenten in Kunden umzuwandeln, ist dies sowohl ein erhebliches Umsatzproblem als auch ein Compliance-Problem – und es findet bereits heute statt.

Das EUDI-Wallet wird es Nutzern ermöglichen, digitale Ausweise zu speichern, offizielle Dokumente zu teilen und Dateien elektronisch zu unterzeichnen – europaweit. Es hat das Potenzial, die Identitätsprüfung schneller und sicherer zu machen als je zuvor. Doch dafür muss es die konkreten Schwachstellen adressieren, mit denen Ihre Kunden heute konfrontiert sind. Die geschäftlichen Auswirkungen des EUDI Wallets zu verstehen – noch vor dem Rollout im Dezember 2026 und der Pflicht zur Akzeptanz durch regulierte Unternehmen im Jahr 2027 – ist daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Die Identitätslücke

EUDI-Wallet-Verbraucherstudie

Was 1000 deutsche Verbraucher wirklich über die EUDI-Wallet denken – und was das für Banken, Telekommunikationsunternehmen, Behörden und alle Organisationen bedeutet, die die Vertrauensinfrastruktur der digitalen Identität aufbauen.

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Was hat das Alter damit zu tun?

Der Wert von 48 % ist für sich genommen bereits bemerkenswert, doch die Studie offenbart deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Bei den Millennials (30–45 Jahre) steigt die Abbruchquote auf 54 %, bei der Generation Z (18–29 Jahre) sogar auf 56 %. Da es sich dabei um die digital aktivsten Segmente mit dem höchsten Lifetime Value im Finanzdienstleistungsbereich handelt, sind es genau diese Gruppen, die bei einer komplizierten oder langsamen Identitätsprüfung am ehesten aufgeben.

Das Problem zeigt sich konsistent in beiden Märkten (Frankreich: 45 %, Deutschland: 48 %). Die Abbruchraten sind also keine Folge einer spezifischen Schwäche der digitalen Infrastruktur eines einzelnen Landes, sondern Ausdruck eines tieferliegenden, strukturellen Problems – der Art und Weise, wie Identitätsprüfung in Europa heute grundsätzlich funktioniert.

„Jeder abgebrochene Vorgang steht für einen Kunden, der bereit war weiterzumachen, aber es nicht konnte. Das EUDI-Wallet adressiert, wenn es sorgfältig integriert wird, die eigentliche Ursache dieser Konversionskrise: einen Prüfprozess, der zu viel verlangt, zu lange dauert und bei jedem neuen Anbieter von vorn beginnen muss.”

Uwe Stelzig, Managing Director DACH, IDnow

Compliance vs. Konversion: Warum das bestehende Modell nicht mehr funktioniert

Die Identitätsprüfungsprozesse, mit denen Verbraucher heute konfrontiert sind, wurden nicht mit Blick auf Konversion entwickelt. Sie wurden für die Compliance konzipiert –und nur dafür. Das Ergebnis ist eine Nutzererfahrung, die folgendes verlangt:

  • Fotos physischer Dokumente hochladen, häufig mehrfach
  • Ein Selfie einreichen, mitunter unter bestimmten Lichtbedingungen
  • Warten – manchmal Minuten, manchmal länger – auf eine manuelle Überprüfung
  • Den gesamten Prozess beim nächsten Anbieter von vorn durchlaufen

Diese Ineffizienz ist systemimmanent. Jedes Unternehmen, das Kundenidentitäten prüfen muss, hat seine eigene Infrastruktur dafür aufgebaut oder eingekauft – isoliert vom Rest. Es gibt keine gemeinsame Infrastruktur, kein portables Credential, keine Möglichkeit für eine Bank, einem Versicherer mitzuteilen: „Wir haben diese Person bereits nach anerkanntem Standard geprüft, hier ist der Nachweis.” Jedes Unternehmen beginnt von null, jedes Mal.

Die kumulativen Auswirkungen auf die Verbraucher sind erheblich. Laut Juniper Research gab es 2024 weltweit 75 Milliarden digitale Identitätsprüfungen – ein Anstieg von 16 % gegenüber dem Vorjahr. Für den durchschnittlichen Erwachsenen, der täglich mit Finanzdienstleistungen, Telekommunikation, Reisen und öffentlichen Diensten interagiert, ist die wiederkehrende Reibung bei der Identitätsprüfung zu einem der konstantesten Schmerzpunkte der digitalen Wirtschaft geworden.

Was Ihre Kunden an der Identitätsprüfung verbessern würden

Auf die Frage, was ihre Erfahrung mit der Identitätsprüfung am stärksten verbessern würde, fielen die Antworten eindeutig aus. Verbraucher wünschen sich:

  • Besseren Schutz vor Betrug und höhere Sicherheit (42 %)
  • Mehr Kontrolle über ihre Daten (31 %)
  • Mehr Transparenz darüber, wie ihre Daten verwendet werden (10 %)
  • Schnellere, einfachere Prüfprozesse (28 %)
  • Wiederverwendbare Identität – einmal prüfen, für verschiedene Dienste nutzen (25 %)

Genau diese Funktionen hat das EUDI-Wallet zum Ziel. Statt bei jedem neuen Dienst erneut einen Reisepass hochzuladen, legt der Nutzer ein bereits verifiziertes Credential aus seinem Wallet vor. Die empfangende Organisation prüft dessen Echtheit kryptografisch und in Echtzeit. Kein Dokument-Upload, keine manuelle Überprüfung, keine Wartezeit. Die Prüfung findet weiterhin statt – nur im Hintergrund, unsichtbar für den Nutzer.

Das bestehende Modell verlangt von jeder Organisation, jede Person jedes Mal unabhängig zu prüfen. Das EUDI Wallet schafft eine gemeinsame Grundlage: einmal prüfen, nach anerkanntem Standard, durch eine autoritative Stelle – und dieses Credential überall vorlegen, wo es benötigt wird. Für Unternehmen sind die geschäftlichen Auswirkungen unmittelbar spürbar. Onboarding-Strecken, die heute fast die Hälfte aller Interessenten beim Prüfschritt verlieren, werden deutlich kürzer. Die Abbruchquoten sinken, die Konversion steigt.

Die Identitätslücke: Reibungsverluste vs. Konversion. Warum 48 % der Kunden abspringen und was das EUDI-Wallet dagegen tut 1

Das Reibungsproblem ist auch ein Vertrauensproblem

Es gibt eine zweite Dimension der Abbruchdaten, die Beachtung verdient. Die Verbraucher, die am ehesten wegen Reibungsverlusten abbrechen, sind auch diejenigen, die das EUDI-Wallet am ehesten annehmen würden — sofern sie verstehen, was es bietet. So gaben beispielsweise 74 % der Generation Z an, das EUDI Wallet zu nutzen, wenn es ihnen erlaubt, nur die für eine bestimmte Transaktion erforderlichen Informationen zu teilen, ohne darüber hinausgehende Daten preiszugeben. Diese Funktion nennt sich selektive Offenlegung und ist Thema des nächsten Beitrags in dieser Reihe.

Die Daten zeigen auch etwas Wichtiges über das Verhältnis zwischen Reibung und Vertrauen. Auf die Frage, ob sie mehr Sicherheitsprüfungen akzeptieren würden, wenn dies mit verbesserter Sicherheit einhergeht, antworteten 42 % der Befragten, dass sie mehr Aufwand für mehr Sicherheit in Kauf nehmen würden. Verbraucher fordern keine weniger strenge Prüfung. Sie fordern eine Prüfung, die funktioniert und sich nicht wie ein Hindernis anfühlt.

Diese Unterscheidung ist für Finanzinstitute bei der Gestaltung ihrer Onboarding-Prozesse von entscheidender Bedeutung. Mit der IDnow Trust Platform verschwindet die Reibung für den Nutzer – nicht aber die Verlässlichkeit. Anstatt das EUDI-Wallet als Ersatz für die Identitätsprüfung zu betrachten, behandelt die Plattform das Wallet-Credential als einen Baustein innerhalb eines umfassenderen, kontinuierlichen Identitätssicherungsmodells, kombiniert mit laufendem KYC, der Analyse von Betrugssignalen und der Risikoüberwachung über den gesamten Kundenlebenszyklus.

Was der 48-%-Wert heute für Ihr Unternehmen bedeutet

Das EUDI-Wallet wird häufig im Kontext von Compliance-Fristen diskutiert – als etwas, auf das man sich vorbereiten muss, weil die Regulierung es verlangt. Diese Perspektive ist zutreffend, aber unvollständig. Der unmittelbarere Handlungsanlass ist wirtschaftlicher Natur. Die Abbruchquote von 48 % ist kein zukünftiges Problem, das vom Rollout des EUDI-Wallets abhängt. Fast die Hälfte Ihrer Kunden bricht heute ab – in Ihren bestehenden Onboarding-Strecken. Jede Woche, in der Reibungsverluste bei der Identitätsprüfung bestehen bleiben, ist eine Woche, in der fast die Hälfte der Menschen, die Ihre Kunden werden wollten, es nicht werden.

Das EUDI-Wallet bietet die strukturell überzeugendste Lösung für das Problem der Identitätsprüfung. Unternehmen, die frühzeitig Wallet-native Onboarding-Strecken integrieren, werden einen messbaren Konversionsvorteil gegenüber jenen haben, die das Wallet lediglich als Compliance-Pflicht behandeln.

„Die Mitgliedstaaten und die Institutionen, die ihren Bürgern dienen, haben weniger als 18 Monate, um von der Wahrnehmung zur Umsetzungsbereitschaft zu gelangen. Die Daten zeigen, dass die Kommunikationsarbeit kaum begonnen hat.”

Liudmyla Rabchynska, Director of Global, Regulatory Affairs, IDnow

Im nächsten Beitrag, Blog 2, beleuchten wir den stärksten Akzeptanztreiber aus unserem gesamten Datensatz: die selektive Offenlegung. 64 % der Verbraucher geben an, das EUDI Wallet eher zu nutzen, wenn selektive Offenlegung möglich ist. Warum diese Zahl in Wirklichkeit eine Konversionskennzahl ist – das lesen Sie hier.

Häufige Fragen zum EUDI-Wallet

Was ist das EUDI-Wallet?

Das European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) ist eine digitale Brieftasche, mit der EU-Bürger verifizierte Identitätsnachweise – wie einen Personalausweis, Führerschein oder Altersnachweis – grenzüberschreitend und bei verschiedenen Diensten vorlegen können, ohne sich wiederholt ausweisen zu müssen. Es ist im Rahmen von eIDAS 2.0 verpflichtend vorgeschrieben: Mitgliedstaaten müssen das Wallet bis Dezember 2026 bereitstellen, regulierte Unternehmen müssen es bis Dezember 2027 akzeptieren.

Welche geschäftlichen Auswirkungen hat das EUDI-Wallet für Banken und Fintechs?

Die wichtigste geschäftliche Auswirkung des EUDI-Wallets für Finanzinstitute ist eine spürbare Reduzierung der Reibungsverluste beim Onboarding und der damit verbundenen Abbruchquoten. Durch den Ersatz von Dokument-Uploads und manueller Überprüfung durch kryptografisch verifizierte Wallet-Credentials können Banken und Fintechs ihre Onboarding-Strecken verkürzen, Abbruchraten senken und die Kosten der KYC-Compliance reduzieren – bei vollständiger Einhaltung der eIDAS-2.0-Anforderungen.

Warum brechen Kunden die Identitätsprüfung ab?

 Laut IDnows Verbraucherstudie 2026 sind die häufigsten Gründe für den Abbruch einer Identitätsprüfung: zu lange Prozesse, zu viele Dokument-Uploads und die Notwendigkeit, den Vorgang bei jedem neuen Anbieter zu wiederholen. Die Abbruchquote ist bei der Generation Z (56 %) und den Millennials (54 %) am höchsten – den kommerziell wertvollsten Kundensegmenten im Finanzdienstleistungsbereich.

Ab wann ist das EUDI-Wallet verpflichtend?

EU-Mitgliedstaaten müssen das EUDI Wallet bis Dezember 2026 für ihre Bürger bereitstellen. Regulierte Unternehmen, darunter Banken, Zahlungsinstitute, Telekommunikationsanbieter und Versicherungen, müssen EUDI-Wallet-Credentials bis Dezember 2027 akzeptieren können.

Wie reduziert das EUDI Wallet Reibungsverluste beim Onboarding?

Anstatt jede Organisation zu verpflichten, die Identität eines Kunden unabhängig und von Grund auf zu prüfen, ermöglicht das EUDI-Wallet Verbrauchern, ein vorab verifiziertes Credential einer vertrauenswürdigen Stelle vorzulegen. Die empfangende Organisation prüft dessen Echtheit in Echtzeit – ohne Dokument-Upload, ohne manuelle Überprüfung, ohne Wartezeit. Für Unternehmen bedeutet das: kürzere Onboarding-Strecken, niedrigere Abbruchquoten und eine Compliance-Grundlage, die vom Credential-Aussteller übernommen werden kann,  anstatt sie eigenständig aufzubauen.

Von

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Jody Houton
Senior PR & Content Manager bei IDnow
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